Christine näht gemeinsam mit einer Freundin Kinderkleider, wird - je älter sie wird - ihrer eigenen Mutter immer ähnlicher und mag keine gut gemeinten Ratschläge sondern plädiert auf den Mutterinstinkt.
Tadah: Wie hat sich dein Leben verändert, als Du Mutter wurdest (im Guten und im Schlechten)?
Für mich ist ein Lebenstraum in Erfüllung gegangen, eine eigene Familie zu haben. Vor den Kindern habe ich 100% gearbeitet, nach dem ersten Kind bin ich wieder 40% eingestiegen. Mittlerweile habe ich mein Pensum reduziert - ich bin gerne daheim. Mein Mein Mann ist selbständig und ich halte ihm durch meine Präsenz zu Hause in vielen Belangen den Rücken frei. Aber ich geniesse auch die Stunden, in welchen ich mitten im Berufsleben stehe.
Steckbrief
NAME
Christine Steiner
KIDS
Elia (8), Ben (5)
WORK-LIFE-BALANCE
20% als Fachlehrerin TTG und BG, 80% daheim
Findest Du Elternratgeber wertvoll? Und wenn ja, welche? (Hat ein Buch Deinen Erziehungsstil beeinflusst?)
Ich bin überhaupt nicht der Ratgebertyp. Nicht, weil ich es nicht will, aber trotz vieler Ratgeber-Lektüren zu Hause oder den Pro Juventute-Ratgebern, die ich anfangs oft las, profitiere ich fast lieber von den Tipps meiner besten Freundin Gisela. Sie hat mit ihren 5 Kindern schon einiges erlebt und steht mir mit Rat und Tat zur Seite. Aber im Endeffekt glaube ich auch, dass unser Unterbewusstsein, unser Instinkt, sehr gut funktionierte, wenn man auf ihn hören würde.
Welchen Ratschlag würdest Du einer Mutter geben, die ihr erstes Kind erwartet?
Höre wenn immer auf Deinen Mutterinstinkt und lass Dich nicht durch gutgemeinte Ratschläge verunsichern.
Wann und warum wusstest Du, dass der Vater Deiner Kinder der Vater Deiner Kinder werden wird?
Das habe ich einfach gespürt - er stand mit beiden Füssen mitten im Leben.
Hast Du je gedacht: Das schaff ich nicht? Und wenn ja, in welcher Situation? Und wie hast Du sie gemeistert?
Es gibt immer Momente, in denen man an sich zweifelt. Wichtig finde ich dann, dass man darüber sprechen kann, sich austauscht. Man spürt dann oft, dass es viele Sachen gibt, mit denen auch andere schon haderten und dann immer irgendwie einen Weg gefunden haben. Natürlich muss ich diesen Weg dann selber gehen.
Hast Du manchmal ein schlechtes Gewissen Deinen Kindern gegenüber?
Wenn ich sie vertrösten muss und sage «ich chumä grad» und dann merke, dass die Zeit schon wieder davon gelaufen ist.
Darf man als Mutter lügen? Und wenn ja, wann und wieso?
Einmal eine Notlüge geht in Ordnung. Aber Grundsätzlich erwarte ich von mir, dass ich ehrlich bin gegenüber meinen Kindern.
Ich hab schon bei so vielen Sachen gesagt, sie landen nie bei uns im Kinderzimmer. Und voilà: Da sind sie nun.
Was landet auf keinen Fall in Eurem Kinderzimmer?
Ein Fernseher ist für mich tabu. Ansonsten habe ich schon bei vielen Sachen gesagt, dies kommt mir sicher nie ins Kinderzimmer und es landete dann trotzdem da.
Euer Lieblingskinderbuch?
«Immer dieser Michel». Ist super zum Erzählen und es hören mir noch immer beide Jungs sehr interessiert zu.
Wie sieht ein idealer Tag mit Deinen Kindern aus?
Keinen Zeitplan einhalten zu müssen. Die Hausarbeit mal bleiben zu lassen. Mit meinen Kindern zusammen etwas planen, auswärts essen und sie den ganzen Tag geniessen und dann am Abend nach einer Gutenachtgeschichte zwischen meinen Jungs im Bett einzuschlafen.
In solchen Momenten frage ich mich: Wieso gehe ich überhaupt arbeiten?
Und wie einer «dieser» Tage?
Dies war gerade letzte Woche der Fall: Es fängt ja schon nach dem Aufstehen an. Schlechte Laune und nichts kann man niemandem recht machen. Das Morgenessen ist nicht okay, der Bruder ist doof, das Mami sowieso. Sich dann gestresst auf den Kindsiweg machen, weil man sowieso schon zu spät ist. Eine kurze Verschnaufpause, bis etwas Unvorhergesehenes eintrifft wie zum Beispiel ein Arzt- oder Zahnarztbesuch. Das Mittagessen wird gekocht und am Nachmittag muss ich dann selber zur Arbeit. Die Kinder wären eigentlich in der Schule, jedoch fällt die Lehrerin meines Sohnes wegen Krankheit kurzfristig aus. Ich muss also noch schnell eine Betreuung organisieren und genau in solchen Momenten fragt man sich, wieso gehe ich überhaupt arbeiten? Es relativiert sich dann wieder, wenn die Kinder wie Engel im Bett liegen und schlafen.
Welche Charaktereigenschaften soll Dein Kind von Dir haben?
Liebenswürdigkeit und Toleranz.
Was wirst du Deinem Kind nie erzählen? Und warum nicht?
Eigentlich habe ich keine Geheimnisse. Alles zur richtigen Zeit ist völlig okay.
Was ist Eure nächste Feriendestination?
Da wir ziemlich spontan planen, kann ich das jetzt noch gar nicht sagen.
Wofür gibst Du am meisten Geld aus?
Sachen für meine Kinder und Stoff zum Nähen in Hülle und Fülle.
Wie ähnlich bist Du Deiner eigenen Mutter?
Je älter ich werde, je länger je mehr.
Was inspiriert dich?
Menschen die voller Tatendrang sind. Und der Austausch mit guten Freunden.
Was macht Dich nervös?
Die Spitalautosirene.
Wie und wo tankst Du für den nächsten Tag Energie?
Bei meiner Mamiverschnaufpause. Ich nähe mit einer Freundin zusammen Kinderkleider, die wir in verschiedenen Läden oder über unsere Webseite mamiverschnaufpause.ch verkaufen dürfen. Da kann ich abtauchen und kreativ sein. Oder einfach ein gutes Buch vor dem zu Bett gehen.
Hat sich Deine Einstellung zu Deiner Karriere geändert, seit Du Mutter bist?
Ja. Mein Hauptaugenmerk liegt ganz klar auf der Familie. Ich möchte jetzt für meine Kinder da sein. Ich weiss, es wird eine andere Zeit kommen, wo auch ich wieder neue Herausforderungen brauche. Aber jetzt stimmt es voll und ganz für mich.
Welcher Mutter möchtest Du das Wort übergeben und wieso?
Regina. Sie steht beruflich und privat voll im Leben und ist eben erst zum 4. Mal Mutter geworden. Ich bewundere sie, wie sie das alles unter einen Hut bringt und immer diese Zufriedenheit ausstrahlt.