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Tadah

Das gewünschteste Wunschkind aller Zeiten treibt mich in den Wahnsinn: eine Ratgeber-Zusammenfassung.

Ratgeber liest man oft dann, wenn die Schmerzgrenze erreicht ist. Und wenn ein Sachbuch zum Bestseller wird, dann muss wohl was dransein. Also haben auch wir es gelesen und hoffen, den entspannten Weg durch Trotzphasen nun zu kennen. Hier eine Zusammenfassung für all jene, die vor lauter Erziehen keine Zeit mehr zum Lesen haben.

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Wir? Erziehungsratgeber? Nä. Einfach alles mal schön dem gesunden Menschenverstand überlassen, dann kommts schon gut. Dachten wir. Dann kamen unsere Kinder in die Trotzphase und hatten Wutausbrüche. Kurze Zeit später hatten wir auch welche. Und plötzlich waren wir so, wie wir doch nie sein wollten – entnervt und laut. Also doch ein Ratgeber. «Das gewünschteste Wunschkind aller Zeiten treibt mich in den Wahnsinn. Der entspannte Weg durch Trotzphasen» von Danielle Graf und Katja Seide soll Eltern helfen, die Beziehung zu ihren Kindern nicht zu vermasseln. Uns hats geholfen. Deshalb hier eine kleine Zusammenfassung.

1. Kapitel: Die Wut der Kinder.

Babys werden Kleinkinder und merken: Ihre Wünsche stimmen nicht mit jenen ihrer Mitmenschen überein und werden somit auch nicht immer erfüllt. Wut, Trauer, Enttäuschung und Angst resultieren daraus. Und bevor man es sich versieht, beginnt die Trotzphase.

 

Ein blauer statt ein roter Becher auf dem Tisch kann zu einem Wutanfall gigantischen Ausmasses führen.

 

Aber wie wir beim Lesen lernen: Kleinkinder können noch gar nicht anders, als emotional auf alles zu reagieren: Ihr Hirn ist schuld. Konkreter: das limbische System, das für die Verarbeitung von Emotionen zuständig ist – es wird auch «emotionales Gehirn» genannt.

Der andere Teil des Gehirns, das kognitive Gehirn, arbeitet rational und präzise. Ein besonders wichtiger Teil dieses Gehirns ist der präfrontale Kortex. Mit seiner Hilfe können wir aggressive Impulse beherrschen, uns auf eine bestimmte Sache konzentrieren, die Zukunft planen, moralisch und empathisch sein.

Wenn, vereinfacht dargestellt, die Gefühle bei einem Erwachsenen Überhand nehmen, übernimmt das emotionale Gehirn die Führung. Das Ergebnis: Man könnte sich nicht mehr längerfristig auf etwas konzentrieren, keine Pläne mehr verfolgen, wir würden in Stresssituationen aggressiv und ungehalten reagieren. Das erinnert doch stark an Kleinkinder. Also muss zwischen Gehirn und Tobsuchtsanfall eine Verbindung bestehen. Oder anders: Das kindliche Gehirn tickt einfach anders.

Hat ein Kleinkind ein Stresserlebnis, übernimmt das emotionale Gehirn die Führung und blockiert das vernünftige, geduldige Gehirn weitgehend. Wir können ein Kind deshalb in solchen Phasen auch schlecht mit Worten erreichen. Und auch Körperkontakt wird dann oft verweigert. Meist hilft in einem solchen Fall nur nonverbale Kommunikation: Mimik, Gestik, Tonfall.

Bei leichtem Stress schaffen es viele Kleinkinder, sich selbst zu beruhigen: mit ihrem Teddy, indem sie weggehen, aufstampfen oder laut schreien.

Man solle Kinder in Stresssituationen nicht alleine wüten lassen, wird uns geraten. Sie können erst ungefähr nach dem fünften Lebensjahr andere, eigene Stressbewältigungsstrategien entwickeln. Bis dahin sind sie darauf angewiesen, von aussen reguliert zu werden. Kurz: Wir müssen bis dahin zwischen Alleinlassen und Überbehüten eine Balance finden.

 

Manchmal kommen einem schon Zweifel, ob da nicht doch etwas falsch läuft mit der Erziehung?

 

Machen wir etwas falsch, dass unsere Kinder derart wüten? Nein, das tun wir nicht, sagen die Bestseller-Autorinnen und lassen uns aufatmen. Erst ab drittem Altersjahr können Kleinkinder beginnen, ihre Impulse zu zügeln. Bis dahin denken und handeln sie oft gleichzeitig. So auch in Sachen Beissen: Kleinkinder verstehen das, was wir sagen, deutlich früher, als dass sie sich ausdrücken können. Also greifen sie auf nonverbale Kommunikation zurück, ohne lange zu fackeln: sie beissen.

Man sollte beissenden Kindern daher keinen negativen Stempel aufdrücken. So befremdend es auch klingt: Oft sei es besser, einem beissenden Kind keine Reaktion zu zeigen, da dann das Verhalten schneller wieder aufhöre, da auf die Ursache keine Wirkung erfolgt.

Beruhigungs-Techniken für Kinder, die bei Wutanfällen helfen können:

  • In einen Boxsack boxen
  • In ein Wutkissen schreien
  • So fest aufstampfen, wie man kann
  • Eine Tür zuknallen
  • Dreimal tief Luft holen
  • Bis zehn zählen
  • Weggehen

 

2. Die Wut der Eltern. 

Jetzt wird's spannend. Denn hier geht's um etwas, das wir so nicht an uns kannten: eine unbändige Wut, die einen manchmal überkommt. Und weil Kinder es in den seltensten Fällen verdienen, unsere ungezügelte Wut volle Breitseite abzubekommen, stellt sich somit die Frage: Wie können wir unsere elterliche Wut, wie sie in diesem Buch genannt wird, überwinden?

 

Wir unterstellen unseren Kindern Absichten, die sie gar nicht haben.

 

Indem wir uns über einige Dinge bewusst werden, so die Autorinnen. Zum Beispiel darüber, dass wir kindlichen Taten mit erwachsener Logik begegnen und dann wegen der vermeintlichen Frechheit der Kinder unglaublich wütend werden. Der Tipp der Autorinnen: Nur wenige Sekunden abwarten, um die wirkliche Absicht des Kindes hinter einer Aktion oder Reaktion zu erkennen und damit einen Konflikt vermeiden. Es ginge nicht darum, einen Machtkampf zu verlieren, weil wir nachgeben, sondern darum, den wahren Grund des Kindes zu kennen.

Diese Sekunden braucht es, da das Verhalten der Kinder nicht auf den ersten Blick logisch nachvollziehbar ist. Aber in den allermeisten Fällen steckt ein für das Kind guter Grund hinter seinem Verhalten. Deshalb nochmals: Immer kurz abwarten und annehmen, dass der Beweggrund unserer Kinder ein guter ist.

 

Mit jedem weiteren Wutanfall werden auch wir immer wütender und können unsere Kinder immer schlechter trösten.

 

Wir können uns schlecht ins Gehirn unserer Kinder einfühlen, wir sind ja schon viel weiter, gehirntechnisch. Das Gehirn eines Einjährigen, dessen Banane zerbricht, gerät in eine Krise ob dieser Planänderung. Es bekommt einen Schreianfall. Dabei braucht es aber von uns keine neue, ganze Banane, sondern einen starken Halt, um die Krise im Hirn zu durchleben.

Ein weiterer Fakt, der uns soweit neu war: Wenn Kinder weinen, sind wir Menschen genetisch so programmiert, dass wir helfen wollen. Dies geht natürlich gerade bei kleinen Kindern nicht, da wir ja dessen Gründe nicht kennen und verstehen. Wenn diese Hilfe also nicht angenommen wird, bekommen wir ein ungutes Gefühl, das wir loswerden wollen. Die Lösung: Flucht oder Kampf. Flüchten können wir ja schlecht, deshalb kämpfen wir, was in diesem Fall Aggression bedeutet.

 

Trösten ist die Lösung.

 

Und wieder etwas gelernt: Kinder wollen aber mit Weinen nicht immer Hilfe, bzw. eine Lösung für die Situation. Sie weinen einfach, weil sie traurig sind. Sie drücken ihr Unbehagen aus. Sie wollen meist einfach nur getröstet werden. So vergeht ihr Stress.

Ein guter Trick, wie wir unsere elterliche Wut loswerden können: Sich selbst durch stumme Selbstgespräche abreagieren. Seine Impulse also nur in Gedanken abzureagieren. Man kann dem Kind erklären, dass einen oft selbst die Wut übermannt.

Tadah_Wunschkind

Der Bestseller «Das gewünschteste Wunschkind aller Zeiten treibt mich in den Wahnsinn – der entspannte Weg durch Trotzphasen» aus dem BELTZ Verlag von Danielle Graf und Katja Seide gibts für CHF 23.90 bei Orell Füssli

3. Übersetzungshilfen für Eltern 

Kinder erkennen logischerweise die gute Intention hinter unserem «Nein» nicht. Sie finden das «Nein» blöd und die ellenlange Erklärung dazu ebenso. Also werden sie wütend und sagen böse Sachen, was uns Eltern wiederum wütend macht und uns verletzt. Aber:

 

freche Antworten und Provozieren sind eine kindliche Strategie, uns etwas mitzuteilen. Leider ist diese Strategie etwas unglücklich gewählt.

 

Auf verletzende Dinge reagieren Erwachsene meist ebenso verletzend. Dabei wäre es einfacher, die Enttäuschung der Kinder nachzufühlen und emphatisch darauf zu reagieren – ohne die gesteckten Grenzen zu verrücken.

Kaum etwas macht uns wütender als Situationen, in denen unser Kind nicht «hört». Was aber steckt wirklich dahinter, wenn ein Kind vermeintlich nicht hinhört? Kinder funktionieren laut Autorinnen so lange sie können – meist bis Abends, das ist eine beachtliche Leistung (die allerdings oft nicht gewürdigt wird von den Eltern). Was uns sehr einleuchtete war folgender Rat: Wenn es uns gelingen würde, das provozierende Verhalten unseres Kindes als Ausdruck dafür zu sehen, dass es sich unwohl  fühlt, können wir es leichter abstellen, indem wir uns ihm positiv zuwenden.

 

Kinder provozieren ja nicht um des Provozierens willen, sondern weil sie keine andere Strategie haben.

 

4. Trotzdem: Autonomie fördern

Wie bestärkt man den Kooperationswillen der Kinder? Indem man jede noch so kleine Kooperation sieht und kurz bestätigt, meinen die Autorinnen. Wir vergessen nämlich oft, dass Kooperation nicht nur bedeutet, Ziele ohne Streit zu erreichen, sondern auch, dass es von unserer Seite her ebenso Zugeständnisse gibt. Also haben wir versucht, viel mehr Ja zu sagen und die Kinderwünsche nicht sofort abzulehnen, nur weil sie uns unsinnig vorkamen. Ebenfalls ein sehr wertvoller Tipp, wie wir fanden.

Ein weiterer nützlicher Ratschlag: Den Kindern Zeit geben zu kooperieren. Wenn sie mitten im Spiel sind beispielsweise. Oder wenn sie gerade einen Seich gemacht haben und ihr Gesicht wahren wollen.

5. Tipps und Tricks für einen entspannten Alltag

Beispiel: «Mein Kind will die Treppen hochgetragen werden, dabei kann es laufen.»
Warum ist das so: Kinder, die zu weinen beginnen, wenn sie abends die Treppe hochlaufen müssen, sind oft müde. Es ist für sie in diesem Moment eine grosse Anstrengung. Oder sie suchen einen Reibepunkt, um explodieren zu können. Dies hat nichts mit dem Austesten von Grenzen zu tun, sondern mit Psychohygiene. (Wissen, das uns seit der Lektüre schon oft weitergeholfen hat).
Was hilft? Das Kind einfach hochtragen. Bilder am Treppenansatz anbringen als Motivation. Darauf achten, dass es nicht zu schwere Schuhe/Kleidung trägt.

Beispiel: «Mein Kind will sich nicht anziehen.»
Warum ist das so: Viele Kinder sind Morgenmuffel oder brauchen morgens noch viel Nähe. Erwachsene holen jedoch die «Wenn-dann-Keule» hervor und finden sich in einem Machtkampf mit ihrem Kind wieder.
Was hilft? Einfach helfen. Kleidung auf Heizung legen. Auf die Vorlieben des Kindes achten. Das Anziehen verschieben, wenn es die Zeit zulässt.

Beispiel: «Jeden Abend ein Drama beim Schlafengehen.»
Warum ist das so: Nicht allein Einschlafen wollen ist keine Schikane des Kindes, sondern es wird getrieben von seiner Bindung zu uns.
Was hilft: Einschlafbegleitung. Selbstbestimmtes Zubettgehen. Geschwisterbett. Immer wieder hereinkommen.

Grenzen sollten wir sparsam setzen. Wann man das am besten macht, zeigen folgende sechs Punkte:
1. Ist es lebensgefährlich?
2. Ist es problematisch, wenn es kaputt geht?
3. Verletzt es die Grenze eines anderen?
4. Ist das Nein ein Nein aus Bequemlichkeit?
5. Sind die Kinder entwicklungspsychologisch in der Lage das Nein einzuhalten?
6. Tut ein Ja den Eltern weh?

6. Schnelle Hilfen für akute Trotzanfälle

Wenn wir Eltern abgewogen haben, dass unser Bedürfnis in einer bestimmten Situation mehr wiegt als dasjenige des Kindes, müssen wir unsere Grenze deutlich machen.

1. Schritt: Respektvoll Kontakt aufnehmen. Dies bedeutet: Ohne viele Worte (kommen bei einem Wutausbruch sowieso nicht an), mit einem mitfühlenden Gesichtsausdruck neben das Kleinkind setzen.
2. Schritt: Das Nein nochmals wiederholen und uns nicht dafür entschuldigen.
3. Schritt (optional): Kompromiss/Ausweg aus Wutsituation anbieten.