Eli-Ju heisst das Label von Barblina Völlm. Sie arbeitet und näht von zu Hause aus, was manchmal Fluch und Segen ist. Barblina sprach mit uns übers Muttersein, über ihr eigenes Business und was sie momentan für Pläne hat. Mit ihren ehrlichen Antworten spricht wohl so manchen Eltern aus dem Herzen.

Barblina Völlm ist Gründerin von Eli-Ju, einem kleinen Label, das Kinderkleider und Accessoires in kleiner Stückzahl produziert. Der grösste Teil ist handgemacht von ihr. Sie wohnt mit ihren Söhnen Juri (10), Elio (8) und ihrem Mann Christian in Andelfingen. eli-ju.ch
Tadah: Liebe Barblina. eli-ju, der Name setzt sich aus den Vornamen Deiner Kinder zusammen. Du kamst also durch die Kinder zum Nähen?
So war es. Und es wurde schnell zum leidenschaftlichen Hobby. Ich habe für meine Kinder genäht und wollte alles ausprobieren. Bald habe ich deutlich mehr genäht als meine Kinder überhaupt Kleider brauchten. Immer mehr wurde ich darauf angesprochen, ob ich die Kleidung nicht verkaufen wolle. Lange dachte ich, dass es mir dann keinen Spass mehr machen würde. Denn das heisst ja dann auch, alles in mehrfacher Ausführung nähen zu müssen. Aber Irrtum! Ich finde es noch genau so spannend wie am ersten Tag.
Also hast Du Deinen Job vor den Kindern an den Nagel gehängt?
Nein, das ging dann schon noch eine Weile. Ich habe bis vor etwas mehr als einem Jahr noch 20% als Coiffeuse gearbeitet. Es wurde aber zunehmend stressiger mit dem Hobby, das eigentlich keines mehr war und ich merkte, dass ich diesen einen Tag sehr gut für eli-ju brauchen könnte.
Dieses «immer zu Hause» sein finde ich tatsächlich manchmal schwierig.
Dein Atelier ist zu Hause? Wie trennst Du Alltag und Beruf?
Ich hatte anfangs grossen Respekt vor dieser Veränderung, da ich ja dann gar nicht mehr aus dem Haus gehen musste zum Arbeiten. Und ja, dieses «immer zu Hause» sein finde ich tatsächlich manchmal schwierig. Aber die Vorteile überwiegen momentan.
Ein weiteres nähendes Mami?
Anfangs musste ich tatsächlich etwas kämpfen, um nicht als «schon wieder ein nähendes Mami» abgestempelt zu werden. Dank Instagram wurde eli-ju aber ziemlich schnell erfolgreich und diese Stimmen verstummten bald.
Was ist denn bei eli-ju anders?
Vielleicht ist es meine Herangehensweise und sicher auch die Invidualität. Manchmal suche ich nach bestimmten Stoffen mit einer Idee dahinter, manchmal ist es aber auch umgekehrt: Ich kaufe Stoff und lasse mich inspirieren, was daraus entstehen soll. Seit diesem Sommer haben wir zudem eine eigene Siebdruckerei und können so noch individuellere Designs anbieten.
Mehr durch Zufall bin ich dann dazu gekommen, nebst meinen eigenen Kreationen auch andere Produkte in den Shop aufzunehmen. Der Verkauf und vor allem der Einkauf dieser Dinge macht mir mittlerweile genauso Spass. Bei mir gibt's also handmade Mode gepaart mit Produkten, die ich vertreibe, die wunderbar zu meinem eigenen Sortiment passen.





Auch wenn Du «nur» in kleiner Stückzahl produzierst, so ist der Aufbau eines solchen Business samt zwei Kleinkindern daheim nicht immer einfach, oder?
Ich habe ganz viele Unterstützer. Zum Beispiel meine Schwester Ursina Völlm, die Designerin ist und alle grafischen Aufgaben für mich macht. Oder meine Schwägerin Yvonne Rogenmoser, eine wunderbare Illustratorin, welche die Illustrationen für meine ersten eigenen Stoffdrucke gezeichnet hat.
Mein Mann strickt die Zwergenmützen, hilft mir viel bei administrativen Aufgaben und vor allem motiviert und unterstützt er mich grundsätzlich sehr. Seit Anfang dieses Jahres habe ich auch Unterstützung beim Nähen. Zum einen Nicole, die leidenschaftlich gerne näht und mich vor allem während des Lockdowns unterstützt hat. Und zum anderen Khitam, eine syrische Schneiderin, die mich sehr entlastet und mit Profitipps unterstützt. Denn ich habe diesen Beruf ja nicht erlernt. Zudem habe ich nun zum zweiten Mal eine Kollektion in einem kleinen Familienunternehmen in Bosnien produzieren lassen.
Es gibt ja noch genug andere Kinder, die anziehen, was ich schön finde.
Nähst Du oft für Deine Kinder?
Nein gar nicht. Es gibt ein paar wenige Stücke, die sie haben wollen. Aber sie haben mittlerweile ihren eigenen Stil und oft andere Vorstellungen als ich. Und das ist auch gut so. Ich glaube, durch eli-ju kann ich das auch besser akzeptieren. Es gibt ja genug andere Kinder, die anziehen was ich schön finde.
Sie finden aber ganz viele Stücke aus meinem Shop-Sortiment toll und freuen sich immer, wenn Lieferungen kommen.








Bernina Näh-Workshop bei Tadah: Wir lernen gemeinsam, das Volant-Blüschen von eli-ju zu nähen. Barblina Völlm stellt uns das Schnittmuster zur Verfügung und ist nebst einer Näh-Spezialistin von Bernina selbst vor Ort. Hier könnt Ihr Euch ein Ticket für den 26. November reservieren: Bernina Näh- Workshop@Tadah


Ich habe eine so genaue Vorstellung davon, wie ich als Mutter gerne wäre und es aber nicht bin.
Deine Kinder haben aus Dir eine Näherin gemacht. Was noch?
Puh, das finde ich eine schwierige Frage. Ich hadere ehrlich gesagt oft mit mir und meiner Rolle als Mutter. Ich glaube, mein grösstes Dilemma ist, dass ich eine so genaue Vorstellung davon habe, wie ich als Mutter gerne wäre und es aber nicht bin.
Das hast Du schön gesagt und entspricht wohl in etwa dem, was viele Eltern von sich denken, oder?
Das mag sein. Ich bin sehr ungeduldig und es ist mir schnell mal zu laut. Ich brauche viel Zeit für mich und versuche mir immer wieder Freiräume zu schaffen – sei es um eine Runde joggen zu gehen, Yoga zu machen, Freunde zu treffen und auch hin und wieder ein kinderfreies Wochenende zu verbringen. Ich habe im Juli das 250h Yoga-Teacher Training im Yoga-Moves in Winterthur begonnen. Einfach um wieder mal etwas ganz für mich selbst zu machen. Nun versuche ich Familie, eli-ju, Freunde und Yoga (samt Lernen für die Ausbildung) unter einen Hut zu bekommen. Bis jetzt gelingt es recht gut. Es ist mir wichtig, mich nicht nur über meine Rolle als Mutter zu definieren. Wenn ich weiterhin meinen eigenen Interessen nachgehen kann, bin ich schlussendlich auch eine entspanntere Mutter.



Wie denkst Du, wirst Du denn von aussen wahrgenommen als Mutter?
Von aussen höre ich oft, ich sei so gelassen mit meinen Kindern. Das empfinde nicht so. Eine Zeitlang habe ich ganz viele Elternratgeber und -zeitschriften gelesen. Aber irgendwie habe ich mich dadurch nur schlechter gefühlt, wenn ich dann die ganzen Vorsätze nicht einhalten konnte. Bis eine Freundin mir gesagt hat, ich solle endlich aufhören, solche Bücher zu lesen. Nun lese ich also wieder lieber Bücher zu anderen Themen und versuche bei der Erziehung mehr auf mein Bauchgefühl zu hören.
Ich habe übrigens eben meinen achtjährigen Sohn gefragt, was ich für eine Mutter sei. Als erstes hat er gesagt: nett, manchmal auch schimpfend, aber des öfteren nett. Und er fände es schön, dass ich oft zu Hause sei. Mit dieser Definition kann ich gut leben, ich bin wohl manchmal etwas zu streng mit mir selbst.
Der Zehnjährige hat es sogar noch getoppt und gesagt, ich sei eine ziemlich coole Mutter. Das würde er aber nicht jeden Tag unterschreiben.





Erzähl von Deiner Selbständigkeit?
Auf der Plus-Seite steht ganz klar, dass ich mein eigener Chef bin, mich an keine fixen Zeiten halten muss. Was dann aber gleich auch wieder zum Nachteil wird: Dadurch, dass mein Atelier bei uns im Haus ist, habe ich Mühe, die Arbeit einfach mal liegen zu lassen. Andersrum fühlt es sich aber einfach oft auch gar nicht wie Arbeiten an.
Wie grenzt Du dich ab?
Wenn wir am Wochenende zu Hause sind, fällt es mir schwer nicht zu arbeiten, wenn die Kinder sich selbst beschäftigen. Hier bin ich noch auf der Suche nach der richtigen Balance. Es gelingt mir aber schon deutlich besser als früher.

Wann wird Dir alles zuviel und weshalb?
Letzten Herbst und Winter bin ich arg an meine Grenzen gestossen. Ich hatte unheimlich viele Bestellungen zu bewältigen und habe an mehreren Design-Messen teilgenommen. Da habe ich ein total schlechtes Gewissen bekommen, dass ich keine Zeit für die Kinder habe, weil doch die Vorweihnachtszeit für sie so speziell ist. Wir sind dann aber drei Tage vor Weihnachten für vier Wochen nach Neuseeland geflogen. Ich bin noch immer unendlich dankbar für diese wertvolle Zeit zu viert und dass wir diese Reise vor dem ganzen Corona-Wahnsinn noch realisieren konnten.
Mein Mann und ich haben uns während des Lockdowns auf je ein Kind aufgeteilt mit der Hausaufgaben-Unterstützung.
Lief eli-ju im Lockdown gut?
Ja, der Shop lief während des Lockdowns so gut wie noch nie. Gleichzeitig waren aber die Kinder zu Hause. Das war sehr herausfordernd. Zum Glück war mein Mann auch 100% im Home Office und wir haben uns auf je ein Kind aufgeteilt mit der Hausaufgaben-Unterstützung.
Ich habe mich entschieden, dieses Jahr keine Messen zu machen, da meine Yoga Ausbildung zusätzlich Zeit beansprucht und mich also ausschliesslich aufs Online-Business zu konzentrieren. Dass ich jetzt Unterstützung beim Nähen habe, entlastet mich sehr.
